Was ist Yoga?

Der Weg und die Geschichte des Yoga – Dynamik-Yoga

"Leben ist ewige Bewegung. Das Leben ist unser Übungsfeld, auf dem wir uns selbst finden können. Nur durch die bewusste Erfahrung, das achtsame Ausagieren dieser Dynamik, entdecken wir die Stille der Quelle in uns."

Was ist Yoga?

Die Übersetzung des Wortes Yoga sagt uns, dass es hier um eine Einheit bzw. Verbindung geht. Das Wort stammt ab von der Wurzel yuj, was „verbinden, vereinigen, sich treffen“ bedeutet.

Im alten Indien stand der Begriff Yoga zuerst nur für das Anbinden von Zugtieren vor einen Wagen. Im Deutschen kennen wir das Wort Joch, welches sprachlich mit dem Wort Yoga eng verwandt ist. Das Anspannen der Zugtiere gibt uns jedoch schon ein treffendes Bildnis für den Weg des Yoga. Wir können die Tiere als die verschiedenen Kräfte im Menschen ansehen: Denken, Fühlen, das Wirken der Sinne, Wünsche und Begierden. Das Anspannen der Tiere vor den Wagen symbolisiert somit die Bündelung dieser Kräfte auf ein Ziel.

Der Weg des Yoga ist ein Weg der Kontrolle über die Aktivitäten von Körper und Geist, um letztlich ein bestimmtes Ziel zu erreichen: Die völlige Integration aller Persönlichkeitsanteile.

Im Laufe der bis zu 5000 Jahre zurückreichenden Geschichte des Yoga bildete sich eine Vielzahl von Techniken heraus, um dieses Ziel zu erreichen:


Die Yoga Sutren des Patañjali

Der Erste, der eine Abhandlung über alle bis dato bekannten Methoden des Yoga verfasste, war der Weise Patañjali vor mehr als 2000 Jahren. Zuvor wurde Yoga stets nur mündlich vom Lehrer (Guru) zum Schüler übermittelt. Patañjali verfasste 196 kurze Merksätze, die sogenannten Yoga Sutren, die heute als Grundlage jeder Praxis des Yoga dienen.

Im zweiten Kapitel präsentiert uns Patañjali den achtgliedrigen Yoga Pfad (ashtānga-yoga):

yama (freibestimmte Verhaltensweisen im Umgang mit der Umwelt)

niyama (besondere innere Verhaltensregeln)

āsana (Körperhaltung)

prānāyāma (das bewusste Anhalten bzw. die bewusste Kontrolle des Atems)

pratyāhāra (das Zurückziehen der Sinne)

dhāranā (Fähigkeit zur Konzentration auf einen begrenzten Bereich oder ein Objekt)

dhyāna (fortwährende und ununterbrochene Ausrichtung der Konzentration auf das Objekt)

samādhi (Integration, Einssein)


Die Bhagavadgīta (Lied des Erhabenen)

Das Kernstück aus dem großen indischen Heldenepos Mahābhārata, welches ab etwa 700 vor Christus entstanden ist.

Drei Aspekte des Yoga Weges zeigt uns die Bhagavadgīta, um das Ziel der Integration aller Persönlichkeitsanteile zu erreichen:

  • durch Erkenntnis der Wirklichkeit (jñāna)
  • durch liebende Anbetung und Hingabe an Gott (bhakti)
  • durch selbstloses Handeln ohne Anhaftung (karman)

Sie bilden für verschiedene Charaktere verschiede Ansätze zum gleichen Ziel.

Arjuna, der Heerführer der Familie der Pāndavas, weigert sich, gegen seine Verwandten, die Kauravas, und seine früheren Freunde und Lehrer zu kämpfen, die seiner Familie das Königreich entrissen haben. Dies verursacht Probleme. Sein Freund und Wagenlenker Krishna, eine Inkarnation des Gottes Vishnu, lehrt ihn den Yoga zur Meisterung seiner inneren Zerrissenheit. Zwei Standpunkte – das Handeln und der Verzicht auf das Handeln –werden gegenübergestellt. Krishna verdeutlicht, dass das Handeln in der Welt der bessere Weg sei. Dies überzeugt Arjuna schließlich und führt ihn aus seiner Zerrissenheit wieder zu geistiger Klarheit und Entschlossenheit, seinen Kampf fortzusetzen.

Stets wird in der Gīta auf die Wichtigkeit des Handelns hingewiesen. Krishna unterstreicht die Bedeutung der aktiven Präsenz des Menschen in der Welt, mit einem im eigenen Inneren verankerten Geist. Die Bhagavadgīta hebt die Lösung von den Begierden, nicht aber das Beenden des Handelns in den Vordergrund. Arjuna soll sich von den Emotionen lösen, also ohne Leidenschaft und Hass, ohne innere Bindung an die Tat kämpfen. Wenn wir handeln, uns den Aufgaben widmen, die uns das Leben stellt, werden wir immer wieder enttäuscht werden und leiden, sobald wir an den Erfolg oder an unseren Gewinn denken, denn das Leben bedeutet ständige Veränderung. Wir können weder etwas dauerhaft festhalten noch uns irgendeines Ergebnisses sicher sein.

Weiterhin stellt Krishna das richtige Handeln als ein Vorbild für andere dar, als einen Pfad, dem andere nacheifern würden. Krishna argumentiert mit seinem eigenen fortwährenden Handeln, ohne das die Welt nicht bestehen bleiben könnte, denn er, als das höchste Vorbild, würde ebenso die Menschen in Untätigkeit führen und die Welt zugrunde richten.

So zeigt sich die Weisheit (jñāna) in der erlösenden Erkenntnis, dass in der Welt nichts von Dauer ist und wir unser Heil nur in unserem eigenen Inneren und der Einheit mit allen Wesen, unserer Einheit mit Gott finden können. Wir können die Welt mit all ihren Wechselspielen überwinden, indem wir uns innerlich von ihr lösen und handeln ohne Anhaftung, ohne Begierde, ohne den Wunsch nach Erfolg.

Wir können die Bhagavadgīta als ein Gleichnis für unseren eigenen Lebensweg sehen. Auf der Suche nach Glück, innerem Frieden, Vollkommenheit, kämpfen wir immer wieder mit der Natur, die in uns und um uns herum wirkt. Wir suchen meistens im Äußeren nach dem Erhofften und werden immer wieder enttäuscht. Wir strampeln uns ab und nähren damit doch noch mehr die Illusionen der Welt, die wir eigentlich beenden sollten. Diese Illusionen versperren uns die Sicht auf unseren Ursprung, der Wahrheit dessen, was wir wirklich sind, jenseits des Körperlichen und der Gedankenwelt.

Die Upanishaden

Die Upanishaden bilden den abschließenden philosophischen Teil der Veden, den ältesten bekannten religiösen Schriften der Menschheit. Sie werden somit auch Vedanta genannt, von vid = Wissen und anta = Ende. Sie sind die Quintessenz der Veden und präsentieren uns die Lehren der spirituellen Meister des alten Indien über die grundsätzlichen Fragen des Lebens: den Ursprung aller Dinge, den Grund und das Ziel des Daseins.

Es handelt sich hier um die Erkenntnis der Nichtdualität (Advaita), in der der Sucher sich als Einheit mit dem Ursprung, dem Göttlichen, dem höchsten Sein oder Bewusstsein, dem Brahman erfährt. Am Ende seines spirituellen Weges muss das Erkennen seiner wahren Wesensidentität, seiner unveränderlichen und unsterblichen Natur, des ātman, in sich und des Brahman außerhalb von sich stehen. Und er muss letztendlich erfahren, dass beide Eines sind. Das ātman ist Brahman und Brahman ist alles. Dies bedeutet, dass das Brahman in jedem einzelnen Teil seiner Schöpfung ebenso vollkommen enthalten ist wie in der Gesamtheit seiner Schöpfung.

Dazu ein Beispiel: Wenn man einen Behälter ins Wasser taucht und ihn dann verschließt, so befindet sich im Behälter das gleiche Wasser wie außerhalb. Das ātman im Körper ist also gleich dem Brahman außerhalb des Körpers.

Die Lehren der Upanishaden sollen den Schüler durch die Hilfe seines Meisters zu einem Bewusstsein führen, das über die normale sinnliche Erfahrung weit hinausgeht und die Nuss des eng begrenzten Ego-Verstandes knackt.

Dieser Zustand ist der sogenannte vierte Zustand, turīya, neben Wachzustand (jāgrat), Traumschlaf (svapna) und Tiefschlaf (sushupti). Dieser Bewusstseinszustand, der die Wirklichkeit zeigt, wie sie eben ist, ist im Menschen jedoch schon schlummernd vorhanden und der Guru hat nur die Aufgabe immer wieder an der imaginären Schale des Schülers anzuklopfen, bis dieser endlich loslässt und einfach sein kann. Dem Schüler kann also von außen nichts gegeben werden, er muss letztendlich selbst erwachen. Nach upanishadischer Vorstellung kann dieses Ziel nur in der engen Guru-Schüler-Beziehung erreicht werden. Vorraussetzung dafür ist, dass der Guru selbst die Erkenntnis des Brahman (brahmavidya) erlangt hat und der Schüler nur noch den alleinigen Wunsch der Befreiung (mumuk-shutram) in sich trägt.

Diese enge Guru-Schüler-Beziehung drückt sich bereits in der Bedeutung des Wortes upanishad aus:
upa - hinzu
ni - nieder
sad - setzen

Es wird oft übersetzt mit „sich nahe bei oder zu Füßen von jemandem setzen“. Mit diesem Jemand ist der Lehrer bzw. Guru gemeint. Dies lässt das Bild eines ernsten Schülers entstehen, der, um zu lernen, zu Füßen seines Lehrers sitzt. Das Wort wird auch häufig mit „geheime Lehre“ übersetzt und dies ohne Frage deshalb, weil diese Lehre nur jenen anvertraut wurde, die in ihrer geistigen Entwicklung soweit waren, das Gehörte zu verstehen und Nutzen daraus zu ziehen.


Hatha Yoga

Der jüngste Spross aller Wege des Yoga, der sich etwa zwischen dem 7. und 11. Jahrhundert in Indien entwickelt hatte, ist der sogenannte Hatha Yoga (wörtlich: Yoga der Kraft oder des Impulses). Das Wort „entwickelt“ meint nun aber nicht, dass irgendjemand Hatha Yoga erfunden hat, sondern es sind vielmehr uralte Techniken, die zu einem System geformt und als systematische Methode praktiziert wurden. Dieser Zweig des Yoga fußt auf der Weltsicht und dem Menschenbild des indischen Tantrismus. Das bedeutet, dass im Hatha Yoga der Körper nicht nur eine stoffliche Hülle oder ein bloßes Werkzeug ist (wie in früheren Texten beschrieben), sondern dass der Körper hier als eine wunderbare Möglichkeit gilt, unser Leben durch sinnliche Erfahrungen zu bereichern. So können nun auch aus der einen Körperhaltung (asana) bei Patanjali die vielen Körperhaltungen (asanas) des Hatha Yoga entstehen, die wir heute im Westen kennen und schätzen.

Hatha bedeutet Kraft oder entschlossene Bemühung. Von der mythischen Wortbedeutung her wird „ha“ als Sonne und „tha“ als Mond interpretiert. Dies deutet auf die verschiedenen Polaritäten im Menschen und in der gesamten Natur hin.

Yoga heißt Einheit bzw. Verbindung. Dies bedeutet für uns, dass wir in den verschiedenen Körperhaltungen eine Einheit mit unserem eigenen Körpergefühl und mit unserem Atemfluss einzugehen versuchen. So lernen wir unsere eigenen Grenzen und Möglichkeiten immer besser kennen und schaffen es mit der Zeit, diese mit Hilfe des Yoga zu erweitern.

Über bewusst praktizierte Körperhaltungen (Asanas), die den gesamten Körper dehnen und stärken, den gezielt geführten Atemfluss und beruhigende Entspannungstechniken, verhilft der Hatha Yoga zu größerer körperlicher und geistiger Beweglichkeit, Gesundheit und Ausgeglichenheit.

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